Stöffel-Park wird zum Schweizer Testgelände

Der Stöffel-Park ist wieder ein Stückchen optimiert worden. Die Schweizer Firma Ammann sorgte jüngst hier für Straßenkomfort ...

Normalerweise geht es bei einem Museum um die „fachgerechte Aufbewahrung von Exponaten”. Der Stöffel-Park bietet viel mehr als das.

Er dokumentiert Industriegeschichte, Fossilienfunde der dortigen Lagerstätte, ermöglicht verschiedene Freizeitaktivitäten und unterhält mit seinem umfangreichen Programm. Aber man kann ihn auch mieten, denn hier soll natürlich Geld erwirtschaftet und nicht nur ausgegeben werden. Das gelingt oft in der schönsten Art und Weise: durch (Hochzeits-) Feiern in der Alten Schmiede beispielsweise. Und um eine Nummer größer und eine Veranstaltung, die auch langzeitig für die Besucher positiv nachwirken wird, ist der Aufenthalt der Schweizer Firmengruppe Ammann.  

Viel Aufwand für die bauma

Ammann ist ein weltweit führender Anbieter von Mischanlagen, Maschinen und Dienstleistungen für die Bauindustrie mit Kernkompetenz im Straßenbau und der Verkehrsinfrastruktur. Wie bereits vor sechs Jahren hat Ammann den Stöffel-Park als Location für die Vorbereitung auf die bauma 2019 in München ausgewählt. Bei dieser Messe dreht sich alles um Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinenindustrie. Sie ist der größte internationale Treffpunkt der Branche und ihr wichtigster Multiplikator. 2016 waren rund 3400 Aussteller aus 58 Ländern dabei. Alle drei Jahre findet sie statt. So ist im Internet nachzulesen.

Die Messe ist so wichtig, dass die Ammann-Group ihre Händler mit viel Engagement darauf vorbereitet. Schließlich müssen diese mit den Neuerungen oder weiterentwickelten Maschinen bestens vertraut sein. Daran wird nicht gespart. 

Gudrun Oestern und Willi Reutter von der Ammann-Group haben die Organisation für die Vorbereitung (das PreTraining) auf die Messe in München übernommen. Dafür wurden Verdichtungsmaschinen und Straßenfertiger nach Enspel verfrachtet, die – ebenso wie das Telematik-System, das die Daten der Maschinen erfasst – im Stöffel-Park vorgeführt wurden.

Der Stöffel-Park macht sich auch als Arbeitskulisse gut

An drei Tagen kamen jeweils circa 150 Gäste und Mitarbeiter zusammen. Für Gerätschaften und die Verköstigung vor Ort samt Unterhaltungsprogramm am Abend wurden Tertiärum, Café Kohleschuppen, die Alte Schmiede und weitere Räumlichkeiten genutzt. Die anderen Stöffel-Park-Besucher konnten derweil eintrittsfrei den Park besuchen. Alles lief entspannt und freundlich über die Bühne.

„Für uns ist das hier die perfekte Kulisse. Hier finden wir ganz viel Flair und Authentizität”, lobte Gudrun Oestern den Stöffel-Park als Vorbereitungsort auf die bauma.

Der Stöffel-Park profitiert sehr davon, dass für die Livedemonstration sogar wieder asphaltiert wurde – wie bereits vor sechs Jahren. Dieses Mal wurde zwischen Infothek und Alter Schmiede ein bituminöser Bodenauflag aufgebracht. Das ging erstaunlich leise und mit wenig Geruchsbelästigung über die Bühne. „Das macht moderne Technik möglich”, erklärte Reutter.

„Ganz ohne Kosten für uns wurde asphaltiert”, zeigte sich Martin Rudolph (Geschäftsführer des Stöffel-Parks) begeistert. „Nicht einmal für die Baggerarbeiten, die Firma Koch aus Westerburg durchgeführt hat, mussten wir bezahlen, auch diese übernahm die Ammann-Group”, fügte er hinzu.

Erfreulich sind überdies die positiven Berührungspunkte in der Region und zwischen den Firmen. Für die Asphaltierungsarbeiten stellte das Ausbildungszentrum (AZ) Limburg-Weilburg angehende Straßenbauer zur Verfügung. Ausbilder Mathias Landau hatte seine besten Männer dafür ausgesucht. Sie machten gerne mit, da die Ammann-Group dem AZ immer neueste Maschinen für die Ausbildung zur Verfügung stellt. (Bilder von der Aktion im Stöffel-Park sind übrigens auch auf Instagram zu sehen.) Das AZ wiederum bildet Fachkräfte für die Firma Koch aus …

Von den Ammann-Tagen im Westerwald profitier(t)en auch Hotels in zwei Verbandsgemeinden und natürlich die vielen Menschen, die in den nächsten Jahrzehnten den Stöffel-Park besuchen werden. 

Was Schokoladenliebhaber Ammann zu verdanken haben

Für die Abendveranstaltung in Enspel hat der Schweizer Autor und ehemalige Journalist Walter Däpp eine Rede gehalten. Hier sind Stückchen davon zu finden:

Das Unternehmen Ammann feiert 2019 seinen 150. Geburtstag. Es wird von Hans-Christian Schneider in der sechsten Generation geführt. Seine Wurzeln hat es im bernischen Dorf Madiswil. Dort flickte Jakob Ammann 1869 in seiner kleinen Werkstatt mechanische Mühlen und begann dann eigene Geräte zu entwickeln. Erste Getreidemühlen entstanden. Die benötigte Energie lieferte der Dorfbach.

Der Betrieb wuchs, denn die Eisenbahn öffnete den Weg zu den Kornkammern Europas, und der Bedarf an Getreidemühlen stieg. Mit Jakob verbindet sich eine besonders süße Geschichte: Bis 1879 war Schokolade eine eher trockene, brüchige Angelegenheit, weil bei der Herstellung der Zucker stets sofort wieder kristallisierte. Erst die Erfindung der Conche, der Conchiermaschine, machte es möglich, die Schoggi cremig zu machen. Hinter der Entwicklung dieser raffinierten Rührmaschine standen der Berner Schokoladehersteller Rudolf Lindt und, man höre und staune, Jakob Ammann.

Die Conche ist in der Schokoladeherstellung weltweit längst nicht mehr wegzudenken. „Und denken Sie dabei stets einen süßen Augenblick lang an Jakob Ammann, der seinerzeit dazu beigetragen hat, dass Ihnen diese Schokolade nun genussvoll auf der Zunge vergeht”, warb Walter Däpp geschmeidig.

(Text und Fotos: Tatjana Steindorf)