Gemeinsame Sache mit Banausen-Kollektiv

Das Kunst- und Musikevent UND/ODER:AUCH wird im Stöffel-Park in Enspel nun am Sonntag, 23. Juni 2019, 12–22 Uhr, stattfinden. Das hat das Wetter entschieden. Doch jetzt schon ist ein Einblick in die dazugehörige Kunst möglich.

Und: Durch das Verschieben tun sich weitere Möglichkeiten auf. So wird Butch (Bülent Gürler), deutscher Producer elektronischer Musik und DJ aus Mainz, nun ein Hauptact des Tages sein.

Kunst-Banausen im besten Sinn

„Wir kennen uns durch das Kollektiv ‚Banausen' in Koblenz”, erzählt Maike Baur, die wie Laura Fee Hildebrand Kunst auf Lehramt studiert. Andreas Buschhorn alias Babor hat die Location Stöffel-Park aufgetan. Sein Schwerpunkt ist die Musik. Die Idee zu dem Event UND/ODER:AUCH entstand.

Es soll die Trennung zwischen statischer Ausstellung und Partymusik aufheben und Künstlerisches aus den Gegebenheiten vor Ort metamorph entstehen lassen.

 

Die Feier wird im Team auf die Beine gestellt. Es ist ein Projekt voller Idealismus, Nachhaltigkeit ist wichtig – und vor allem soll möglichst viel selbst gemacht sein. „Dass etwas Neues entsteht, ist wichtig”, betont Buschhorn.

Die Location nimmt Einfluss auf Materialien und Ideen 

Was die Kunstideen angeht, gibt es bereits einen Vorgeschmack: Werke von Maike Baur, Laura Fee Hildebrand und Thomas Nauta sind momentan im Museumsgebäude „Tertiärum” zu sehen – dort, wo die Fossilien ausgestellt sind. Im Vorraum ragen hohe Baumatten und Wellbleche, gestützt durch Basaltsteine, in die Höhe. Sie tragen Fotografien, die die beiden Frauen aufgenommen haben. Nauta  (Masterstudent in Architektur, Düsseldorf) hat die Stahlkonstruktion dazu mitgestaltet.

Das Metall stellte zum Teil der Stöffel-Park zur Verfügung. „So wurden Materialien integriert, die vor Ort vorhanden sind.”

Ein Teil des Kultursommers RLP zum Thema Heimat(en)

Das Thema gab der Kultursommer 2019 Rheinland-Pfalz vor, von dem sie unterstützt werden: „Heimat(en)”. Der Bezug ist ungewöhnlich, denn die Schwarz-weiß-Fotografien zeigen florale Motive. „Den Lebensraum und Pflanzen haben wir zu unserem Schwerpunkt gemacht”, erklären die Studentinnen.   

Bei der Party, die im Juni folgt, werden die Grenzen zwischen Deko, Kunst, praktischen Gegenständen (wie die Theke) und der Räumlichkeit verschwimmen. Alles durchdringt einander.

Kunstmusik  

Und dazu kommt die elektronische Musik. Alexander Otto ist fürs Bühnenbild und die Theken verantwortlich. Er beschreibt sich als Creativ Director, da er viel koordiniert, das Plakat entworfen hat und anderes mehr. Unter dem Namen Olek hat schon Bekanntheit erlangt. (Hier gibt es mehr Infos zu Olek.) Letztlich wollen sich die Beteiligten aber nicht als Einzelpersonen inszenieren, sondern als Kollektiv.

Party am Sonntag, 23. Juni 2019 

„Das Wetter hat uns beim ersten Anlauf ausgebremst. Wir nehmen es als Motivation – nach dem Motto: ‚Jetzt erst recht!", sagt Buschhorn.

Das Projekt mit seinen Idealen hat zwei Stars der elektronischen Musikszene überzeugt: Butch ebenso wie Emanuel Satie (DJ und Produzent des Jahres 2016). Beide sind bei dem Event am Sonntag, 23. Juni, 12–22 Uhr, live im Stöffel-Park zu hören. Die Besucher bekommen also eine gute Party mit bezahlbaren Preisen.

Aktuelle Infos zum Event gibt es bei Facebook oder unter www.stoeffelpark.de

(Foto und Text: Tatjana Steindorf)

Alexander Ottos Gedanken zu UND/ODER:AUCH im Stöffel-Park

Der Stöffel-Park schafft einen Platz, an dem Natur und Industrie Hand in Hand gehen. Es entsteht eine spannende Kombination aus Kontrasten und Gemeinsamkeiten. Somit gibt die Location aus ihrem eigenen Habitus heraus bereits die Möglichkeit, sich mit dem Heimatbegriff auseinanderzusetzen. Sie zeigt die Spannung zwischen Heimat und Fremde, im Zuge der industriellen Revolution auf, mit der sich die Teilnehmer durch musikalische Begleitung ungezwungen auseinandersetzen können.

Im Zuge der Industriellen Revolution setzen sich Dichter und Denker mit einem neuen Heimatbegriff auseinander. 

Heimat war bis dato immer an einen Naturraum gebunden, der sich nun aber durch den Menschen nachhaltig verändern sollte. Das ist auch im Stöffelpark zu sehen. Ähnlich wie damals wollen wir mit dem Festival auch einen neuen Heimatbegriff schaffen, nämlich auf Grundlage anderer Komponenten des Begriffes „Heimat”:

Lebensgefühl: Die elektronische Musik hat eine Bewegung losgetreten, die sich im Kern durch ein grenzenloses Wir-Gefühl definiert.

Unter Mottos wie „We are one Family” oder „One World One Future” fanden sich Millionen Menschen verschiedenster Herkunft, Sexualität und Gesinnung zusammen, um diese Expertise zu zelebrieren.

In der zweiten Generation, aus der die Künstlergruppe hervorgeht, existiert diese Einstellung fortwährend. Es werden zunehmend Symbiosen verschiedenster Kunstformen kreiert, um diesen Geist zu erhalten. Sowohl die Musikkunst als auch die bildende Kunst gibt den Menschen die Möglichkeit, sich unabhängig von Herkunft oder Kultur zusammengehörig zu fühlen, sich über bestimmte Themen auszutauschen, zu diskutieren und sich zu entfalten. Denn Musik und Kunst gehen über Landesgrenzen hinaus und verbinden Menschen.